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Aktuelle Forschungsprojekte Visual History. Institutionen und Medien des Bildgedächtnisses (SAW-Verfahren 2011) -> description (German) Agenten der Bilder. Pressefotografen, Bildlektoren, Bildzensoren und Archivare (Kurzbeschreibung) Flugzeugentführungen 1931-2001. Eine Kulturgeschichte Von der Geschichte der Simulation zur Simulation von Geschichte Abgeschlossene Projekte Das Relationale Zeitalter. Individualität, Normalität und Mittelmaß in der Kultur der Renaissance (Habilitation) Geschichtsbegriff und Historisches Denken bei Hannah Arendt (Dissertation) Sport und Medien im Kalten Krieg Eine Kulturgeschichte der Flugzeugentführung (1931-2001) Die Dekade von 1968 bis 1977 war nicht nur ein ›rotes Jahrzehnt‹ (Gerd Koenen), sondern auch das Jahrzehnt der Luftpiraterie. Zwischen 1968 und 1977 wurden weltweit 412 Flugzeugentführungen registriert, das ist die Hälfte aller bis 1990 dokumentierten Zwischenfälle dieser Art. Nur langsam griffen seit Ende der sechziger Jahre verschiedene Gegenmaßnahmen, vor allem die Verschärfung der Sicherheitsvorschriften, die Installation von Metalldetektoren und das Inkrafttreten eines Abkommens zur Bekämpfung des Flugterrorismus im Jahr 1969. Zudem schwenkten in den siebziger Jahren viele Regierungen vom bis dahin praktizierten Verhandlungskurs auf Strategien militärischer Intervention um, wodurch sich die Erfolgsaussichten der Entführer deutlich verschlechterten. Zwar gab es seither deutlich weniger Fälle von Luftpiraterie, doch haben die Anschläge vom 11. September gezeigt, dass man diese nicht vollständig verhindern kann und dass der Phantasie und Brutalität der Täter kaum Grenzen gesetzt sind. Gegenstand meines Interesses ist jedoch nicht eine politische Geschichte der Flugzeugentführung – schon gar nicht mit einem teleologischen Blick auf 9/11 – sondern deren kulturelle und ästhetische Aufbereitung. Bereits seit den sechziger Jahren gibt es zahlreiche Romane, Filme und Kunstwerke, die sich mit dem Phänomen in unterschiedlicher Weise auseinander gesetzt haben und die in großer Mehrheit an die mediale Berichterstattung zu Ereignissen wie Entebbe oder Mogadischu anknüpfen. Zwar ist bereits vielfach bemerkt worden, dass Terrorismus ohne ‚Beihilfe’ der Medien kaum erfolgreich sein kann, doch steht eine Analyse der kulturellen Folgen und Überformungen des medialen Terrors noch aus. Diese Lücke soll mit einer Monographie geschlossen werden, in der gleichwohl nicht nur terroristische Flugzeugentführungen, sondern auch solche von Kriminellen (z. B. Lösegelderpressern), von Psychopathen und Migranten in den Blick genommen werden. Seitenanfang Von der Geschichte der Simulation zur Simulation von Geschichte Seit der Einführung des Computers haben sich digitale Simulationen zu einer tragenden Säule der Wissenschaft und zu einem integralen Bestandteil der Medienpraxis entwickelt. Es gibt kaum mehr Bereiche, in denen Simulationen nicht zur Produktion und Vermittlung von Wissen eingesetzt werden. Gleichwohl steckt die geisteswissenschaftliche Reflexion über dieses neue und hochflexible Verfahren noch in den Kinderschuhen. Erste Arbeiten, die sich mit der Geschichte und der kulturellen Bedeutung von Simulationen beschäftigen, stammen überwiegend aus dem Bereich der Medienwissenschaft; es gibt jedoch bisher keine Institution, die diese noch recht disparaten Forschungen bündelt und eine Vernetzung der über Simulationen forschenden Wissenschaftler, die in so unterschiedlichen Bereichen wie Natur- und Lebenswissenschaften, Informatik, Mathematik, Architektur, Ingenieurwesen, Sozial-, Politik- und Wirtschaftswissenschaften und auch in den Geisteswissenschaften tätig sind, hat bisher nicht stattgefunden. Ziel des Verbundprojektes ist es, vorhandene Energien zu bündeln und die Simulationsforschung als einen Arbeitsschwerpunkt zu etablieren, der naturgemäß interdisziplinär angelegt ist, in dem die Geisteswissenschaften aber im Hinblick auf die Semantik, die wissensgeschichtliche Bedeutung und die allgemeine Theoriefähigkeit des Begriffs gefordert sind, eine Übersetzungsfunktion zu übernehmen. Seitenanfang Sport und Medien im Kalten Krieg: Die Olympischen Spiele Seit die olympischen Spiele zu einem zyklisch wiederkehrenden Fernsehereignis geworden sind, erfreuen sie sich großer Nachfrage beim Publikum und ebenso großer Aufmerksamkeit seitens der Medien. Wie schon in der Antike dienen die Spiele der Unterhaltung und Zerstreuung, werden darüber hinaus aber auch für politische Zwecke in Anspruch genommen. In den Zeiten des Kalten Kriegs galt dabei die Destabilisierung des gegnerischen Systems sowie die Stärkung der östlichen respektive der westlichen Wertegemeinschaft als vordergründiges Ziel. Bei genauerem Hinsehen ist jedoch der Bedeutungszuwachs der Olympischen Spiele weniger mit den politischen Bedingungen des Kalten Kriegs als vielmehr mit der Verbreitung des Fernsehens als Leitmedium verknüpft: Gab es 1960 noch in jedem sechsten ostdeutschen und in jedem vierten westdeutschen Haushalt einen Fernsehapparat, so besaßen 1975 bereits 70 Prozent aller DDR-Bürger und mehr als 90 Prozent der Westbürger ein Fernsehgerät. Es gilt deshalb vor allem, das Fernsehen als Leit- und Livemedium sowie die besondere Bildsprache und –ästhetik von Sportübertragungen zu analysieren. Während nämlich die politische Geschichte zunächst die deutsch-deutsche Systemkonkurrenz von 1968 bis 1972, dann die Einbeziehung der Dritten Welt in den Systemkonflikt und schließlich Beginn des „zweiten Kalten Kriegs“ zwischen den Supermächten ab Ende der siebziger Jahre besonders hervorgehoben hat, sind es in mediengeschichtlicher Perspektive vor allem die Olympischen Sommerspiele von 1972 in München, die als „totale Medienspiele“ rezipiert wurden – wobei der Anschlag auf die israelische Mannschaft, der dem olympischen Gedanken der Völkerverständigung auf beiden Seiten der Mauer zuwider lief, die mediale Aufmerksamkeit noch massiv steigerte. Zu fragen ist also weniger nach Funktionalisierungen des Sports durch die jeweiligen Regierungen als danach, warum gerade die transnational angelegten Sportereignisse mehr Zuschauer binden konnten als andere (vor allem politische) TV-Programme. Das Hauptaugenmerk liegt folglich nicht auf den einschlägigen politischen Kommentaren, sondern auf den Symbolen und kulturellen Praktiken im Sport, auf der Bedeutung von Ritualen und Inszenierungen und auf der Ikonografie und Dramaturgie der Spiele selbst. Diese sollen exemplarisch am Beispiel jener Sportarten untersucht werden, bei denen die Berichterstattung sich besonders stark auf einzelne Persönlichkeiten konzentriert (wie Leichtathletik, Schwimmen und Turnen). Voraussetzung für den Erfolg einer solchen Forschung ist die Annahme, dass Sport nicht lediglich eine Metapher für Krieg oder Ideologie oder Spiegel einer vermeintlich wirklicheren Wirklichkeit ist, sondern als ein eigenständiges Phänomen mit eigenen ästhetischen und medialen Gesetzen. Von Interesse sind dann nicht mehr die Grenzen, die die Politik dem Sport auferlegt hat, sondern die anthropologische, medialen und ästhetischen Bedeutungen des Sports und – in einem weiteren Schritt – die Frage, ob die Übertragung von Sportgroßereignissen den Fall der Mauer möglicherweise gar beschleunigt hat. Seitenanfang Das Relationale Zeitalter. Individualität, Normalität und Mittelmaß in der Kultur der Renaissance In meiner Habilitationsschrift geht es um die Frage nach der Bedeutung des Mittelmaßes - in kulturell-ästhetischer, in politischer wie auch in moralischer Hinsicht - eine Frage, die unmittelbar auf Hannah Arendts Rede von der "Banalität des Bösen" bzw. ihre Beschreibung des Schreibtischtäters Adolf Eichmann rekurriert, die mich bereits in meiner Dissertation beschäftigt hatte. Ausgehend von der Idee, dass das Böse im 20. Jahrhundert nicht unbedingt aus der Radikalität, sondern häufig der Normalität der Mittelmäßigkeit entspringt, habe ich mich auf die Suche nach dem Ursprung der Mittelmäßigkeit gemacht. Dabei stellte sich bald heraus, dass Mittelmäßigkeit im negativen Sinn sich im Verlauf des 16. Jahrhunderts als Gegensatz zum eindeutig positiv besetzten aristotelischen "rechten Maß" entwickelte. Dass sich das Denken in Relationen im Verlauf des 15. und 16. Jahrhundert in Europa in fast allen Bereichen den Denkens und Kulturschaffens durchsetzen konnte, führe ich in meiner Arbeit auf den Einfluss Cusanischen Denkens zurück, das den Begriff der Relation massiv aufwertete. Dies lässt sich sowohl an der Entwicklung der Zentralperspektive und der Revision des geozentrischen Weltbildes als auch an der Aufwertung der Wissenschaften und der politischen Theorie und schließlich an der im 15. Jahrhundert deutlich erkennbaren Ausdifferenzierung hybrider Charaktere zeigen. Dass das relationale Denken schließlich in eine Verachtung des Mittelmaßes umschlug, hängt unmittelbar mit dem Aufkommen des Geniekults zusammen, der ab Mitte des 16. Jahrhunderts um sich griff und in dessen Schatten Mediokrität mit Inauthentizität, mangelnder Handfertigkeit und einem fehlenden Willen zur Entfaltung quasi-göttlicher Schöpferkraft gleichgesetzt wurde. Seitenanfang Geschichtsbegriff und Historisches Denken bei Hannah Arendt (Dissertation) Ihrer Ausbildung nach war Hannah Arendt keine Historikerin, doch hatten fast alle ihre Schriften in irgendeiner Weise die historischen Entwicklungen zum Thema, die auf die Französische Revolution zurückgehen und die Welt zu dem machten, was sie heute ist. Zwei von ihnen ('Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft' und 'Eichmann in Jerusalem') lösten Kontroversen aus, die deutliche Spuren in der Historiographie der Nachkriegszeit hinterließen. Der Geschichte als Wissenschaft stand Arendt selbst allerdings immer sehr skeptisch gegenüber. Ausgangspunkt ihrer Kritik war die Überzeugung, daß der Gegenstand der Historiographie keinen Gesetzen folge, daß man sie kaum systematisch erforschen könne und daß sie zudem eine grundsätzlich konservierende Funktion habe, weshalb sie ungeeignet sei, die pathologische Seite der Moderne zu beschreiben und zu analysieren. Für Arendt gibt es nicht die Geschichte, sondern nur eine Sammlung von unzähligen Einzelgeschichten - eine Art Geschichtenbuch der Menschheit. Sie erschließen sich dem Auge des Historikers nicht von selbst, sondern müssen aus dem festgefügten Rahmen der Vergangenheit 'herausgesprengt' werden. Damit wendet sich Arendt explizit gegen die Geschichtsphilosophien von Hegel und Marx. Tatsächlich läßt sich ein großer Teil der Facetten Arendtschen Geschichtsdenkens auf den gemeinsa-men Nenner der Dekonstruktion jeglicher Geschichtsmetaphysik bringen: Die Übernahme der Heideggerschen phänomenologischen Methode, die Idee der 'Entbergung der Wahrheit' im Ereignis, die auf die allgegenwärtige Möglichkeit des Neuanfangs verweisende 'Antige-schichtsphilosophie' der 'Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft', die Kritik an der laut Arendt im Terror endenden Funktionalisierung von Geschichtsinterpretationen für das politische Handeln, die Kritik christlichen Geschichtsdenkens, die radi-kale Ablehnung Hegelscher Geschichtsphilosophie, die Kritik am Prozeßdenken, die Weigerung, in der Geschichte nach kausalen Zusammenhängen zu suchen und die dahinterstehende Ablehnung jeglichen Geschichtsdeterminismus, der Rückgriff auf den griechischen Begriff der Größe und schließlich auch die Weigerung, jüdische Geschichte ausschließlich als Leidensgeschichte zu verstehen. Im Zentrum der Dissertation steht die Frage nach dem Ursprung dieser Gedanken, nach deren formender Kraft für das Gesamtwerk und nach Arendts theoreti-scher Alternative zur modernen akademischen oder ideologischen Historiographie und zur Geschichtsphilosophie des neunzehnten Jahrhunderts und schließlich auch die Frage nach der Anwendbarkeit Arendtscher Gedanken für die heutige Geschichtsschreibung. Seitenanfang |