Annette Vowinckel
Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam
Humboldt-Universität zu Berlin
Annette Vowinckel
Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam
Humboldt-Universität zu Berlin
Agenten der Bilder. Fotografisches Handeln im 20. Jahrhundert
Innerhalb der Geschichtswissenschaft gewinnen Bilder als Quellen und Untersuchungsgegenstände stetig an Bedeutung. Dabei hat sich das Augenmerk bisher stärker auf die Bilder als auf die Infrastruktur der Bildproduktion bzw. die an ihr beteiligten Akteure gerichtet. In diesem Projekt soll der Fotojournalismus als zentrales Feld politischer Öffentlichkeit im 20. Jahrhundert daraufhin untersucht werden, wie Bilder produziert, vervielfältigt, vermarktet und publiziert werden. Dabei stehen - neben den Fotografien - vor allem die Protagonisten der Bildproduktion (Fotojournalisten, Bildredakteure, Bildagenten) im Zentrum der Aufmerksamkeit. Da sich der Bildjournalismus ab den 20er Jahren immer stärker weltweit vernetzt, wird eine internationale Perspektive auf die Zentren des Fotojournalismus (Europa, USA, Japan) gewählt.
Visual History. Institutionen und Medien des Bildgedächtnisses
Leitung: Annette Vowinckel, Jürgen Danyel
Verbundprojekt mit dem Herder-Institut Marbach, dem Georg Eckert-Institut für Internationale Schulbuchforschung Braunschweig und dem Deutschen Museum München
Ziel des Netzwerkprojekts, an dem neben dem ZZF Potsdam das Herder-Institut in Marburg, das Georg-Eckert-Institut für Internationale Schulbuchforschung in Braunschweig und das Deutsche Museum in München beteiligt sind, ist es, anhand einschlägiger Qualifikationsarbeiten die Grundlagenforschung zu verschiedenen Institutionen des modernen Bildwesens paradigmatisch voranzutreiben. Die Einzelprojekte widmen sich der Frage nach der Rolle und Bedeutung staatlicher und privater bzw. privatwirtschaftlicher Institutionen für die Konstitution kollektiver Bildgedächtnisse. Ihr gemeinsames Ziel ist es, nicht die „Gegenstände" kollektiven Bildwissens zu erforschen, sondern die Institutionen, die diese Bilder generieren, verwalten, verwerten, archivieren und/oder publizieren bzw. die Produktion und Verbreitung bestimmter Bilder verhindern. Darüber hinaus soll unter www.visual-history.de ein Onlineportal eingerichtet werden, das als Informations- und Vernetzungsplattform fungiert und enzyklopädisches Wissen zu den Insitutionen des modernen Bildwesens bereitstellt.
Teilprojekte am ZZF Potsdam:
Einrichtung des Online-Portals www.visual-history.de (Bearbeiter: Karsten Borgmann)
Geplant ist der Aufbau eines Forschungsnetzwerks und einer Informationsplattform, deren Aufgabe die Vernetzung der auf diesem Gebiet arbeitenden Historikerinnen und Historiker und die kollaborative Erarbeitung eines elektronischen Nachschlagewerkes zu theoretischen und methodischen Fragen im Bereich Visual History ist. Visual-history.de richtet sich zum einen an Historikerinnen und Historiker, die sich über die theoretischen und methodischen Grundlagen der Visual History als einer inzwischen etablierten und zunehmend ausdifferenzierten Forschungsrichtung verständigen wollen. Es soll ein Diskussionsforum entstehen, das dazu beiträgt, fachlich abgesicherte Regeln für den Umgang und die Präsentation visueller Quellen in der historischen Forschung zu formulieren. Das Informationsangebot möchte darüber hinaus aber auch eine breitere historisch interessierte Öffentlichkeit für die Spezifik visueller Zeugnisse als Teil der kulturellen Überlieferung sensibilisieren.
Im Einzelnen soll die Online-Plattform folgende Bereiche abdecken:
1. ein elektronisches Nachschlagewerk zu Akteuren, Institutionen, Archiven und technischen Fragen der Foto-, Reproduktions- und Bildbearbeitungstechniken
(Hier sollen kumulativ Beiträge über Bildagenturen, illustrierte Zeitschriften, Fotografen sowie zu technischen Fragen (Aufnahmetechnik, Bildbearbeitung, Bildübertragung etc.) in enzyklopädischen Beiträgen vorgestellt werden.)
2. ein elektronisches Handbuch mit Beiträgen zu den theoretischen und methodischen Grundlagen der Visual History sowie zentralen Forschungsfeldern und wichtigen Debatten auf diesem Gebiet, das die Etablierung fachlicher Standards und Regeln im Umgang mit visuellen Quellen in der historischen Forschung und deren Präsentation bzw. Publikation fördern soll.
3. eine Informations- und Kommunikationsplattform für die am Netzwerk beteiligten Institutionen und Forscher und Forschrinnen, die Informationen zu Projekten, Tagungen und Ausstellungen aus den etablierten Angeboten der elektronischen Fachinformation im Bereich der Geschichtswissenschaft und mit ihr verbundener Forschungsfelder filtert.
4. einen Wissensspeicher zu Fragen des Urheberrechts, der Digitalisierung und des Zugangs zu visuellen Quellen.
Bildpolitik und Bildzensur im Nationalsozialismus und Staatsozialismus (Promotionsprojekt, Bearbeiterin: Eszter Kiss, Betreuung: Annette Vowinckel)
Die Zensur von Kommunikationsmedien ist ein zentrales Steuerungsinstrument diktatori¬scher Herrschaft. Traditionell konzentriert sie sich auf die Kontrolle des gedruckten Wortes (vgl. Kelly 1978), hat aber im Zeitalter der Massenmedien zunehmend auch andere Medien wie Theater, Film und Fernsehen unter Kontrolle gebracht. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts wurden Bilder zudem immer häufiger für Propagandazwecke genutzt und damit Teil einer Bildpolitik, die neben der Zensur auch die aktive Steuerung von Bildpublikationen beinhal¬tete. Besonders augenfällig ist dies im Bereich der Fotografie, die – im Unterschied zu Film und Fernsehen - weniger der Unterhaltung als vielmehr der Information und der Konstitution kollektiver Bildgedächtnisse verpflichtet war (vgl. Sachsse 2003; Hartewig 2004; Waschik 2010). In einem am ZZF angesiedelten Qualifikationsvorhaben soll in vergleichender Per¬spektive am Beispiel der Zusammenbruchs- bzw. Umbruchsphase des Nationalsozialismus (1944/45) und des osteuropäischen Staatssozialismus (1989) untersucht werden, welche visuellen Steuerungs- und Beschränkungsprozesse die Regime in Krisensituationen entwi¬ckelt haben, in welcher Weise sie sich der Spezifik diktatorischer Herrschaft anpassten, wel¬che Aus- und Umwege die Bildpublizistik fand bzw. in welcher Weise sie sich mit den jeweili¬gen Diktaturen arrangierte oder diese gar aktiv unterstützte. Für den Vergleich zum NS-Re¬gime soll neben der DDR möglichst ein weiteres Land des Ostblocks herangezogen werden. Dabei gilt es einerseits die Differenzen zwischen den politischen Systemen, andererseits die unterschiedlichen Voraussetzungen von Gesellschaften im Krieg und in Friedenszeiten zu berücksichtigen. Ziel eines solchen diachronen Vergleichs ist es, die Besonderheiten der jeweiligen Zensursysteme herauszuarbeiten, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu identi¬fizieren, die Bedeutung staatlicher Steuerungsmechanismen für die Herausbildung nationaler und möglicherweise auch transnationaler Bildgedächtnisse zu benennen und übergreifende Entwicklungen diktatorischer Bildpolitik mit Blick auf das gesamte 20. Jahrhundert herauszu¬arbeiten.
Forschung